Cannabis Medical Club

Wiener Neustadt/Österreich

Unterstützung für WaWi (Obmann CSC Salzburg)

Verletzt – verpfuscht – weggesperrt (Text: D. Noitz/Presse CSC Wiener Neustadt)

Heute, am 25. Juli 2014, um 09:00 wurde ein Mann in einem Staat, der sich Rechtsstaat nennt, eingesperrt, weil er, von der Medizin verpfuscht, von den Sozialversicherungsträgern verarscht und von der Judikative abgeurteilt, sein Leben selbst in die Hand genommen hat, verantwortungsvoll und trotz aller Rückschläge, voller Tatendrang und Offenheit. Nicht eingestandene Fehler von Seiten staatlicher Institutionen und ein überkommenes Rechtssystem, trieben einen Mann in die Illegalität, der doch nichts weiter wollte als in Würde und vor allem schmerzfrei zu leben. Doch der Reihe nach.


 Vor mehr als zehn Jahren, im Mai 2004 erlitt Herr Wilhelm Wallner einen Unfall im Zuge der Ausführung seiner Tätigkeit als Fahrverkäufer eines Getränkeherstellers. Ein volles Jahr lang fiel keinem Arzt auf, dass mehrere Bänder in seinem Bein gerissen waren, wodurch das Sprunggelenk irreparabel abgenutzt wurde. Obwohl eindeutig ärztliche Nachlässigkeit den Schaden verursachte, weigerte sich die AUVA eine Invalidenrente zu zahlen, da sie der Meinung war, dass ein Vorschaden am Knorpel vorgelegen wäre. Die Arroganz und Überheblichkeit dieser Körperschaft bringt einen Mann, der sein Arbeitsleben lang, eben jene Versicherungsanstalt mit seinen Beiträgen gefüttert hat, um seine, ihm zustehende Rente. Selbst die beigebrachten Gutachten führen nicht weiter, aber Herrn Wallner an den Rand seiner Existenz, und darüber hinaus, denn seine finanziellen Belastungen durch Gutachten und entsprechende Behandlungen waren so hoch, dass sein Haus gepfändet wurde. Weitere € 600,-- hätte er zu zahlen, die er nicht mehr aufbringen kann, was auch nicht weiters verwunderlich ist, nachdem er sein Leben fristen muss mit einem Einkommen, das unter dem Existenzminimum liegt. Eine großartige Leistung einer staatlichen Institution zu beweisen, dass sie finanziell am längeren Hebel sitzt, stur, uneinsichtig und unmenschlich.

Dies alles sollte wohl verhindert werden, indem Herrn Wallner, als chronischen Schmerzpatienten, eine Therapie mit Morphium seit 2005 zuteil wurde, denn Morphium ist nicht nur hochtoxisch und hat das höchste Suchtpotential aller Drogen. Zurecht sollten nun jene abschreckenden Bilder von Drogensüchtigen am Karlsplatz mit der Nadel im Arm auftauchen, denn Heroin gehört auch zur Familie der Morphine. Der große Vorteil für die verantwortliche Körperschaft, der Patient wird in ein willen- und seelenloses Wrack verwandelt, unschädlich und unbedenklich. Mit den Schmerzen wird dem Patienten der Verstand ausgetrieben, was doch recht bequem ist. Nur, dass Herr Wallner sich damit nicht abfand, sondern sein Schicksal selbst in die Hand nahm, indem er das Morphium, mit all den skizzierten Nebenwirkungen, gegen medizinisches Cannabis tauschte und sich damit selbst von seinen Schmerzen als auch aus seinem zombieähnlichen Zustand erlöste. 

Ziemlich alles sei besser als Morphium, war das Kommentar des behandelnden Arztes, der den Vorstoß als positiv wertete. Herr Wallner pflanzte sein Cannabis selber und dokumentierte seine Therapie aufs penibelste, so dass er vom viel schädlicheren, doch behördlich sanktionierten Morphium weggekommen, auf das verträglichere Cannabis aus eigener Produktion umgestiegen, den Argwohn der Behörden erregte, denn wo kämen wir in Österreich hin, wenn jeder meinte einfach so sich selbst therapieren zu können. Auch wenn mittlerweile in Fachkreisen die schmerzlindernde Wirkung von pflanzlichen Cannabis anerkannt ist und laufend rezipiert wird, hat es sich noch nicht wirklich herumgesprochen, und dagegen stur am Bild des psychotischen Kiffers festgehalten.

Seither wird Herr Wallner laufend von der Exekutive schikaniert und ihm seine Medizin weggenommen. Er hat nicht nur nicht versucht diese hauseigene Medikation geheim zu halten, ganz im Gegenteil, von Anfang an bezog er die zuständigen Behörden mit ein und gab ihnen Gelegenheit den Gebrauch des schmerzmildernden Wirkstoffs laufend zu überprüfen. Alles ist offen, zugänglich und dokumentiert, und dennoch wir Herr Wallner nach wie vor wie ein Schwerverbrecher behandelt, und weil er sich partout nicht den Mund verbieten lässt, sondern weiter um sein Recht auf ein Leben in Würde einsteht, wird er nun weggesperrt.

Verletzt, und doch ohne Entschädigung nach Jahrzehnten eines arbeitsreichen Lebens, verpfuscht, und doch rechtlos gestellt von Behörden und Institutionen, ausgehungert, und trotz aller finanziellen Einbußen nicht mundtot gemacht, so dass letztlich nur mehr das Wegsperren blieb. 

Medizinisches Cannabis ermöglicht chronischen Schmerzpatienten ein Leben in Würde, lässt sie wieder ins Leben zurückfinden, denn Schmerzfreiheit bedeutet für sie die Grundvoraussetzung für eine Teilnahme am sozialen Miteinander, ohne schädliche Nebenwirkungen. Doch stur und uneinsichtig bleibt der Gesetzgeber, denn was bedeutet schon das Glück des Menschen, die körperliche Unversehrtheit, wenn er nicht aufhört zu denken, selbst zu denken.

Wegsperren, wenn es gar nicht mehr anders geht. Herr Wallner nimmt die Strafe an, und sein Beispiel sollte dazu führen, dass wir uns nicht länger benebeln lassen und für das eintreten, was dem Menschen dienlich ist.